Müssen Ärzte ein „Bitte nicht wiederbeleben“ – Tattoo beachten?

Anfang Dezember 2017 sorgte die Einlieferung eines bewusstlosen Patienten in ein Krankenhaus in Miami für Schlagzeilen. Der Mann hatte mitten auf der Brust ein die Ärzte verwirrendes Tattoo. Müssen sie es als Willen des Patienten beachten?

Das Tattoo auf der Brust des bewusstlosen 70-Jährigen lautete „Do not rescuscitate“ („Nicht Wiederbeleben“). Der alkoholisierte Mann litt unter Vorhofflimmern, chronischem Lungenleiden und Diabetes, weshalb die behandelnden Ärzte über lebensrettende Maßnahmen nachdenken mussten.

Tattoo = Patientenverfügung?

Es stellte sich ihnen aufgrund des Tattoos jedoch die Frage, ob sie überhaupt lebensrettende, lebensverlängernde oder gar wiederbelebende Maßnahmen ergreifen dürfen. Ist das Tattoo wie eine unterschriebene Patientenverfügung zu werten? Machen sich die Ärzte gar strafbar wenn sie helfen – oder gar, wenn sie bewusst nicht helfen?

Was tun?

Wie das medizinische Fachblatt „New England Journal of Medicine“ berichtet, befanden sich die Mediziner in einem ethischen und rechtlichen Dilemma. Gleichwohl entschieden sie sich für lebensverlängernde Maßnahmen. Damit versuchen sie, eine nicht rückgängig zu machende Entscheidung über Leben und Tod des Patienten aufzuschieben. Sodann sollte versucht werden, den wahren Willen des Patienten herauszufinden bzw. seine Entscheidung gegen lebensverlängernde Maßnahmen zu bestätigen.

Im Zweifel für das Leben

Bei Unklarheit über den Willen des Patienten ist ein solches Verhalten auch in Deutschland üblich. Ärzte handeln so schon aus Selbstschutz, um  Strafanzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung z.B. von Angehörigen zu vermeiden. Auch sei gelegentlich nicht klar, ob ein möglicherweise dokumentierter oder angenommener Wille überhaupt noch aktuell sei. Dies könnte z.B. auch bei dem o.g. Mann mit dem Tattoo der Fall sein. Schließlich könnte das Tattoo Jahre oder gar Jahrzehnte alt sein.

Auf Drängen der Ärzte fanden Sozialarbeiter des Krankenhauses schließlich eine ausdrückliche, schriftliche Patientenverfügung. Auch darin hatte sich der 70jährige gegen lebensverlängernde Maßnahmen entschieden. Nach Komplikationen starb er einen Tag nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus, seinem nun bestätigten Willen entsprechend.

Verlorene Wette

Das „Journal of General Internal Medicine“ berichtet über einen ähnlichen Fall aus den USA. Kurz vor einer Operation entdecken Ärzte 3 tätowierte Buchstaben: „D.N.R.“, was auch als Abkürzung für „Do Not Resuscitate“ gebräuchlich ist. Darauf von den verunsicherten Ärzten befragt, erklärte der Mann jedoch, sehr wohl im Notfall wiederbelebt werden zu wollen. Das Tattoo sei lediglich das makabere Ergebnis einer verlorenen Wette.

Wichtiges bitte schriftlich regeln

Ein Organspender-Ausweis erleichtert Medizinern das Treffen von lebenswichtigen Entscheidungen. Denke daran: Auch wenn es für dich zu spät ist, kannst du noch andere Leben retten! Dazu musst du den Organspender-Ausweis aber immer bei dir tragen.

Wer im Zweifel lieber nicht wiederbelebt werden möchte, sollte eine Patientenverfügung verfassen, raten Experten. Doch selbst die kann im Notfall aus o.g. Gründen nicht immer beachtet werden. Ärzte müssen im Notfall innerhalb von Sekunden entscheiden und werden sich im Zweifel, schon aus Sorge vor Strafverfolgung, immer für lebenserhaltende Maßnahmen entscheiden.

Unser Fazit:  Ein Tattoo wie „Bitte nicht wiederbeleben“ stiftet sehr wahrscheinlich mehr Verwirrung als Klarheit über deinen Willen & wird im Zweifel nicht beachtet. Sinnvoller sind Patientenverfügung, Organspender-Ausweis, Testament und z.B.  Tattoos mit anderen, wichtigen medizinischen Informationen wie

  • Blutgruppe,
  • Allergien / Unverträglichkeiten,
  • chronische Krankheiten oder z.B.
  • ständig eingenommene Medikamente.

Was denkst du darüber?

Haftstrafe wegen Auschwitz-Tattoo bestätigt.

Das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg hat die Haftstrafe gegen einen NPD-Politiker wegen seiner öffentlich gezeigten Tätowierung in Form eines Umrisse des Konzentrationslagers (KZ) Auschwitz und dem Spruch „Jedem das Seine“ bestätigt.

Der 28-jährige NPD-Kreistagsabgeordnete hatte im November 2015 seine KZ-Tätowierung in einem öffentlichen Schwimmbad gezeigt. Das Amtsgericht Oranienburg verurteilte ihn deshalb zunächst zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe. Dagegen hatten jedoch sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung des NPD-Politikers Berufung zum Landgericht (LG) Neuruppin eingelegt.

Erfolg für die Staatsanwaltschaft, Niederlage für die Verteidigung

Da sowohl Anklage als auch Verteidigung Rechtsmittel eingelegt hatten, konnte in der Berufungsinstanz das Strafmaß auch höher ausfallen. In der Berufung erhöhte das LG Neuruppin das Strafmaß daraufhin auf acht Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Die daraufhin von der Verteidigung eingelegte Revision zum OLG blieb erfolglos.

Auch Revision ohne Erfolg

Das OLG Brandenburg bestätigte das Strafmaß des LG Neuruppin. Die Verteidigung des NPD-Politikers hatte in dem Revisionsantrag argumentiert, die bildliche Darstellung des KZ Auschwitz sei keine Meinungsäußerung. Das OLG verstand das Tattoo jedoch als Billigung des Holocaust. Da das Tattoo in dem öffentlichen Schwimmbad ca. 2 Stunden lang öffentlich zur Schau gestellt worden sei, sei dadurch das Rechtsempfinden der Öffentlichkeit erheblich beeinträchtigt worden, so eine Sprecherin des OLG. Die verhängte Haftstrafe von 8 Monaten ohne Bewährung sei daher gerecht.