DSGVO – Betrifft das Tattoo Studios und Tattoo Artists?

Die ab dem 25. Mai 2018 anzuwendende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sorgt fast 2 Jahr nach ihrem Inkrafttreten langsam für viel Wirbel. Denn unklar ist vielen, was eigentlich alles darunter fällt & was in Zukunft erlaubt bzw. verboten ist. Drohende Bußgelder von bis zu 20 Mio. Euro oder 4 % des weltweiten Umsatzes (je nachdem, was mehr ist) können dann doch beeindrucken.

Hat das Auswirkungen auf Tattoo Artists und Tattoo Studios?

Ich denke schon. Schon deshalb, weil kaum ein Tattoo Artist oder Studio ohne Website und/oder Social Media-Auftritt sowie Computer in der Bearbeitung von Kundendaten etc. auskommen wird. In diesem Beitrag geht es jedoch nicht um Datenschutz-relevante Vorgänge im Zusammenhang mit der Vertragserfüllung/Abrechnung, sondern in erster Linie um die Außendarstellung und Werbung.

Werbung im Internet künftig problematisch

Naturgemäß werden Tattoo Artists und Tattoo Studios ihre kreative Arbeit als Werbung präsentieren wollen. Tattoos Studios und Tattoo Artists benötigen dafür natürlich Fotos ihrer Arbeiten. Diese Fotografie wird in aller Regel digital erfolgen. Und hier wird die DSGVO wieder relevant. Denn schon das Anfertigen eines digitalen Fotos ist eine Datenerhebung und eine Speicherung von Daten. Auch das Bearbeiten oder Weitergeben von Fotos z.B. an Social Media-Plattformen und andere sind Datenverarbeitung-Vorgänge. Alle diese Handlungen unterfallen ab dem 25. Mai 2018 der DSGVO. Sofern darauf Personen erkennbar zu sehen sind, was immer mal wieder der Fall sein dürfte, werden solche Aufnahmen in Zukunft grundsätzlich unzulässig sein, es sei denn, es liegt eine so genannte informierte Einwilligung oder eine Ausnahme des Art. 6 DSGVO vor. Ob schon eine besonders individuelle Tätowierung zur Erkennbarkeit einer Person im Sinne der DSGVO ausreicht, ist leider unklar. Jedenfalls, wenn

  • die Tätowierung einzigartig &
  • an einer für gewöhnlich sichtbaren Körperstelle angebracht ist,

könnte m. E. einiges dafür sprechen, dass die Person so „erkennbar“ ist, auch wenn nur die Tätowierung abgebildet wird.

Einwilligung oder Ausnahmen erforderlich

Warum das alles so ist, habe ich in einem Artikel für Fotografen aufgeschrieben, den ich hier verlinke. Das meiste davon wird auch für die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen und damit auch von Tattoos Studios und Tattoos Artists gelten.

Eine Ausnahme im Sinne des Art. 6 DSGVO, die die Anfertigung von Aufnahmen rechtfertigt, könnte z. B. der Zusammenhang mit der Vertragserfüllung und insbesondere die Abwehr von Gewährleistungsansprüchen sein. Deshalb dürfte es gerechtfertigt sein, ein Detail-Foto einer Tätowierung anzufertigen. Damit wäre es aber nicht automatisch auch erlaubt, dieses Foto ins Internet zu stellen – gerade, wenn darauf mehr von der Person zu sehen ist, als die Tätowierung. Denn dies ist nicht für die Erfüllung des Vertrages, also der Erbringung der Dienstleistung Tätowierung, erforderlich.

Datenverarbeitung erforderlich?

Auch ist mehr als fraglich, ob die Eigenwerbung eines Kreativen als so genanntes „berechtigtes Interesse“ (eine weitere Ausnahme des Art. 6 DSGVO) anerkannt wird. Für euer Archiv und die Buchhaltung mag das Fotografieren also auch in Zukunft zulässig sein. Es könnte aber sein, dass viele Aufnahmen, gerade wenn darauf Personen zu erkennen sind, in Zukunft nicht ohne weiteres z.B. ins Internet gestellt werden dürfen. Denn auch bei berechtigtem Interesse gilt: Es muss eine Abwägung mit den betroffenen Rechten des Abgebildeten stattfinden.

Abmahnung & Schadensersatz wg. Werbung?

Wenn der erkennbar Abgebildete z.B. geltend machen kann, dass er durch die Veröffentlichung im Internet in seinen Persönlichkeitsrechten schwerwiegend geschädigt wird, wird die Abwägung meist zu seinen Gunsten ausfallen. Die Veröffentlichung ist damit rechtswidrig. Neben einer Abmahnung mit Unterlassungsforderung dürften dann auch Schadensersatzansprüche drohen. Und selbst wenn ihr eine Einwilligung der Person habt, gilt:

Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden!

Außerdem müsstet ihr in einer solchen „informierten Einwilligung“ den Abgebildeten z. B. genauestens darüber informieren,

  • was ihr mit den Bildern z. B.  vorhabt,
  • dass er ein jederzeitiges Widerrufsrecht hat
  • etc.

Die „informierte Einwilligung“  muss zudem dokumentiert und archiviert werden, damit ihr im Streitfall auf der sicheren Seite seid.

Ich rege deshalb an, den Artikel zu studieren und über Maßnahmen nachzudenken, falls sich z.B. jemand meldet und Auskunfts- oder gar Löschungsansprüche geltend macht. Auch kann, zumindest theoretisch, die Datenschutzbehörde jederzeit bei euch anklopfen und unangenehme Fragen stellen.

Wissen zur DSGVO – 7 Tipps für Fotografen

Tattoo & Urheberrecht aus US-Sicht

Die US-Website http://copyrightalliance.org des US-Urheberrechts-Lobbyverbandes Copyright Alliance hat ihre US-amerikanische Sicht hinsichtlich Tattoos & Urheberrecht ins Netz gestellt. Der kurze Artikel beleuchtet noch einmal einige bekannte Klageverfahren amerikanischer Tattoo-Artists z.B. gegen

  • die Software-Firma THQ, Inc. wg. Verwendung von Tattoos in dem Computerspiel „UFC Undisputed 2010“
  • die Software-Firma Take-Two Interactive wg. Verwendung von Tattoos in dem Computerspiel „NBA 2K“

Außerdem beschäftigt sich der Artikel mit den Voraussetzungen für US-amerikanischen Urheberrechtsschutz für Tattoos. Er ist hier zu finden.

Wem gehört ein Tattoo? Kann man damit Marken- oder Urheberrecht verletzen?

„Mein Tattoo gehört mir“, oder? Gehört es dem Träger, Tätowierer oder gar einem Konzern als Markenrechtsinhaber? Wer hat Ansprüche gegen wen? Und: Sind tätowierte Models eine Haftungsfalle für Fotografen? – Der folgende Beitrag von Rechtsanwalt Lars Rieck soll das Spannungsfeld zwischen Körperkunst und der Rechtslage in Deutschland, insbesondere im Urheber- und Markenrecht, beleuchten und Praxistipps geben. Der Autor ist selbständiger Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht sowie für gewerblichen Rechtsschutz bei IPCL Rieck & Partner in Hamburg. Für den notwendigen Praxisbezug hat er zudem den Hamburger Tattoo Artist Alex Coolbaugh befragt.

Gemäß einer repräsentativen Umfrage der Meinungsforscher von YouGov aus 2015 sind rund 15 % aller Deutschen tätowiert. Der Anteil der tätowierten Frauen überwiegt leicht den der Männer. Laut Institut Allensbach (2014) sind bei den 16-29jährigen sogar rund 25 % tätowiert. Seit Mitte der 1990er Jahre ist ein wahrer Tattoo-Boom zu verzeichnen. Bei der Auswahl des Motivs spielen meist höchstpersönliche Erwägungen eine ausschlaggebende Rolle. Während die einen Familienmitglieder und Haustiere auf ihrer Haut verewigen oder Schicksalsschläge verarbeiten, huldigen andere dem Körperkult durch immer neue grafische Verzierungen bis hin zum Ganzkörper-Tattoo nach genauem Konzept. Motive aus den Bereichen Comic und Gaming sind bei Nerds und Hipstern beliebt. Spätestens hier horchen Marken- und Urheberrechtler auf.

Spektakuläre Prozesse bislang nur in den USA.

Wem gehören die auf Haut verewigten Motive? Während in den USA Profi-Sportler wie Rasheed Wallace, LeBron James, Kobe Bryant und z. B. der Tätowierer von Mike Tyson spektakuläre Prozesse mit Sportartikelherstellern und Medienunternehmen führen, sind in Deutschland kaum Verfahren über Rechte an Tätowierungen bekannt, allenfalls aus dem Arbeits- und Sozialrecht sowie über Schadenersatz bei Fehlern. Doch dies kann sich jederzeit ändern. Wie immer mehr Fotografen und Designer könnten auch z. B. kreative Tätowierer konsequent gegen Rechtsverletzungen vorgehen.  Zwar entschieden deutsche Gerichte bislang, dass Tätowieren eher Handwerk als Kunst sei. Der urheberrechtliche Grundsatz ist aber klar: Sofern ausreichende Schöpfungshöhe und Individualität vorliegen, ist der Schöpfer des Motivs Urheberrechtsinhaber. Alle Rechte an diesem sog. Werk (§ 2 UrhG) liegen bei ihm. Jede Nutzung und Bearbeitung bedarf seiner Erlaubnis. Verwendet ein Tätowierer also z. B. unerlaubt ein fremdes Werk, begeht er eine Urheberrechtsverletzung. Änderungen können gar als sog. unfreie Bearbeitung (§§ 3, 23 UrhG) oder gar Entstellung (§ 14 UrhG) unzulässig sein. Tätowierer Alex Coolbaugh weist jedoch darauf hin, dass es in der Branche einen Kodex gebe, fremde Werke nicht zu kopieren. Für alle Kolleginnen & Kollegen mag er seine Hand aber nicht ins Feuer legen. Auch seien viele Kunden völlig unkritisch und kämen mit Vorlagen aus unbekannter Quelle. Coolbaugh bevorzugt daher stets eigene Entwürfe.

Wem gehört das Tattoo?

Tätowierte können aufatmen: § 60 UrhG erlaubt ihnen, Fotos ihrer Tätowierung zu machen. Achtung: Die Nutzung eines Fotos im Internet ist davon nicht abgedeckt! Außerdem: Wenn es sich um eine künstlerisch wertvolle Tätowierung handelt, ist fraglich, ob z. B. der Träger dieses Kunstwerk verändern oder gar entfernen lassen darf. Wäre z. B. jemand wie Keith Haring oder Banksy auch als Tätowierer tätig geworden, könnte gar die Zerstörung eines Kunstwerks drohen. Teilweise wird die zugegeben lebensnahe Meinung vertreten, es dürfe grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass der Tätowierer dem Tätowierten mindestens konkludent ein Nutzungsrecht an dem Werk einräume. Darauf dürfe sich auch z.B. ein Fotograf berufen. Veränderungen oder gar die Entfernung sind aber ein ungleich größerer Eingriff als die bloße Vervielfältigung. Auch lässt sich gegen diese Ansicht der § 31 Abs. 5 UrhG ins Feld führen. In ihm hat der Gesetzgeber festgelegt, dass bei einer Rechteabtretung durch Vertrag im Zweifel nur die Rechte abgetreten werden, die für die Erreichung des Vertragszwecks zwingend erforderlich sind. Vertragszweck einer Tätowierung dürfte in erster Linie die Verschönerung des Körpers eines Individuums sein, nicht z. B. die Verwertung von Bildern davon. Deshalb kann z. B. bei gewerblich genutzter Detailfotografie von Tätowierungen nur zur Vorsicht geraten werden. Auch ist an § 13 UrhG zu erinnern, demzufolge der Urheber das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk hat, also darüber bestimmen darf ob und wie er im Zusammenhang mit seinem Werk genannt werden muss. Letztlich dürften bei gewichtigen rechtlichen oder medizinischen Gründen aber Veränderung und Entfernung eines Tattoos erlaubt sein.

Markenrechtsverletzung durch Tattoo?

Im Markenrecht ist der Fall recht klar. Zwar ist theoretisch eine Markenrechtsverletzung durch eine Tätowierung denkbar. So gibt es auch hier einen spektakulären US-Prozess wegen der werblichen Nutzung eines aus der „I ♥NY“-Marke abgewandelten Tattoos. Für gewöhnlich dürfte aber weder das Tätowieren noch das Tragen einer Tätowierung eine für einen Markenrechtsverstoß notwendige, sog. markenmäßige Benutzung darstellen. Gegen das Auftauchen einer geschützten Marke z.B. auf der Haut eines Darstellers in einem Pornofilm könnte sich der Rechteinhaber auch z.B. auf die Verletzung von Ruf und Ehre des Unternehmens berufen.

Praxistipps für „Nummer Sicher“:

  • Tätowierter: Tätowierung selbst entwerfen bzw. Erlaubnis für z. B. gewerbliche Nutzung schriftlich vereinbaren.
  • Tätowierer: Bei Auftragsarbeiten mit fremden Vorlagen Haftungsfreistellung verlangen.
  • Fotograf: Erlaubnis von Tätowierer & Model einholen, Haftungsfreistellung von Model verlangen oder Tattoo retuschieren.
  • Agentur: Haftungsfreistellung von Fotograf und/oder Model verlangen.

Der Artikel kann nur einige Probleme anreißen. Wir werden in Zukunft weiter an diesem Thema arbeiten, weitere Problemfelder aufzeigen & pragmatische Lösungen suchen. So dürfen Grundrechte & das Allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR) des Tätowierten aus Art. 1 GG & Art. 2 GG nicht außer Acht gelassen werden. Schließlich sind Tätowierungen fast immer auch ein Ausdruck der Persönlichkeit des Tätowierten. Auch muss beleuchtet werden, ob ein „Eigentum“ an tätowierten Körperteilen rechtlich überhaupt möglich ist. Vielen Dank in diesem Zusammenhang an @nutellaberliner für den Hinweis. Wir arbeiten daran…

Eure Meinung ist gefragt. Sollte ein Tätowierter mit seinem Tattoo machen können, was er will? Sollte ein Tattoo-Artist bei kommerzieller Verwertung eines Tattoos daran beteiligt werden? Was denkt ihr? Lasst uns bitte einen Kommentar da!